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Das Video auf Schallplatte

Wenn ein Neuling die coole New Yorker Kunstszene in Aufruhr versetzt, dann heißt das einiges. Gebhard Sengmüller hat es geschafft. Sein "VinylVideo" verblüffte - nach erfolgreichen Auftritten in Wien, Rotterdam und Montreal - das Kunstmekka. Und als Guggenheim-Kurator Jon Ippolito die Arbeit des 34jährige Wieners mit jener des Topstars der Medienkunst, Nam June Paik, in Zusammenhang brachte, war die Sensation perfekt. Sengmüllers Vision: Videos, die von einer Vinylschallplatte abgespielt werden.

Die Idee ist ebenso einfach wie revolutionär: Dank einer von dem Künstler entwickelten Technologie wird ein Videofilm in analoge elektrische Signale umgewandelt und auf Schallplatte gepresst. Über eine Box, die einen Plattenspieler mit einem Fernsehapparat verbindet, wird das elektronische Signal in ein Ton-Bild-Video zurückverwandelt. Die Platte kann abgespielt, das "wiederbelebte" Video auf dem TV-Gerät angesehen werden. Was dadurch entsteht ist weit mehr als ein "normales Video". Durch die notwendige Reduktion der Bildauflösung werden die Filme schwarz-weiß, sie rufen Erinnerungen an die Frühzeit des Fernsehens wach. Durch diesen Qualitätsverlust entsteht die ungewöhnliche Ästhetik dieses - genaugenommen - neuen Mediums. Zusätzlich eröffnen sich ungeahnte Möglichkeiten der Präsentation: Wie ein DJ Schallplatten verfremdet, indem er die Nadel des Plattenspielers versetzt oder die Abspielgeschwindigkeit verändert, kann auch der Performer des VinylVideo verfahren: Das "Videoscratching" macht aus jeder Filmvorführung einen schöpferischen Akt.

"Eine Reise in die Vergangenheit und zugleich in die Zukunft" nennt Sengmüller, der "VinylVideo" mit der technischen Unterstützung von Martin Diamant und Günter Erhart entwickelt hat, seine Konzeption: "Wir wollten eine Lücke in der Medienge-schichte füllen." Zwar war es dem Schotten John Logie Baird schon in den 20er Jahren gelungen, Videosignale zu speichern, doch das Abspielen klappte nicht: Er hatte nur Wachsplatten zur Verfügung - die schwarzen Scheiben aus PVC waren noch unbe-kannt. Die vielversprechende Entwicklung geriet in Vergessenheit.

Sengmüller nennt seine Innovation "ein Stück künstlicher Medienarchäologie und gleichzeitig die Vision völlig neuer Live-Bildmischtechniken". Künstler wie Kristin Lucas, Heimo Zobernig und Oliver Hangl haben mit "VinylVideo" bereits experimentiert. Wer es selbst ausprobieren will, besorgt sich (über die Website www.vinylvideo.com) einfach (und zu vetretbaren Kosten) die Ausrüstung für das "Heimkino vom Plattenspieler".


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