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Vinyl is back - die Fan-Gemeinde wächst

Vinyls sind schöner, klingen besser und vermitteln das wahre Musikererlebnis: Musik, die man fühlt und nicht lediglich hört. So sprach nicht etwa ein in Ehren ergrauter Hippie, der alten Zeiten nachtrauert, sondern eine stetig wachsende, junge Fan-Gemeinde. CDs gelten bei ihnen als Notlösung. Wer weiß, wo es in der Szene langgeht, steht auf Vinyl. Erlebt die gute alte Schallplatte ein Comeback?

F"Von einem Comeback der Vinyl kann keine Rede sein. Dazu hätte sie vorher verschwinden müssen, und das ist sie nicht. Sie hielt sich immer, vor allem in der Club-Szene", meint Tunakan von "Pulsinger & Tunakan", dem Wiener DJ-Duo, das die internationale Club-Szene kräftig aufmischt. 99 Prozent aller DJs arbeiten mit Tonträgern aus PVC.

Wenn DJs den Beat lesen

Pulsinger, die andere Hälfte des Duos, kennt kein DJ-Set mit eingebautem CD-Spieler: "Für einen DJ ist die Schallplatte das Beste", sagt er. "Ich kann die Geschwindigkeit regulieren und auch mitten in einem Song einsteigen, wenn ich will. Auf einer Vinyl erkennt man durch bloßes Hinsehen, wo die Breaks in einem Stück sind. Wenn ein Saxophon-Solo oder Streicher kommen, sind die Stellen heller; wenn Basstrommeln oder die Bassgitarre einsetzen, ist die Schattierung dunkler", so Pulsinger.

Vinyls erleichtern DJs nicht nur den Arbeitsalltag: "Vinyl ist die beste Idee zur Musik, die es je gegeben hat. Bisher hat man keine brauchbare Alternative für die Musikwiedergabe entwickelt", sind Pulsinger & Tunakan überzeugt.

Kratzer sind Charakter, keine Fehler

"Vinyls klingen wärmer, und dieser Unterschied ist nicht nur esoterisch", sagt der Musikjournalist Robert Holzhammer. "Musik wird auf einer CD digital aufgelöst, in unterschiedliche Kombinationen von Nullen und Einsern. Und das ergibt einfach einen viel kälteren Klang." Auf die weltweiten ‘Save the Vinyl’-Bewegungen angesprochen, meint Holzhammer: "Bemühungen in dieser Art sind gar nicht mehr notwendig. Die Schallplatte ist bereits gerettet. Mittlerweile gibt es in vielen Geschäften wieder Platten." Zu Kratzern, die bei Vinyls früher oder später auftreten, sagt Fan Holzhammer: "Ich habe zu Hause eine Platte von Schubert, die ziemlich stark zerkratzt ist. Das hat mich eine Weile gestört. Doch jetzt freue ich mich daran, weil das meinem Schubert einen ganz individuellen Charakter verleiht."

Für den Künstler Christian Hofmann, Absolvent der Wiener Akademie der Bildenden Künste, hat Musik seit jeher eine wichtige Rolle gespielt: "Durch gute Musik gelingt es mir, viel schneller in die Malerei einzusteigen." Wie alle bekennenden Vinylisten verleugnet auch Hofmann nicht seine emotionale Bindung zur Schallplatte: "Eine LP ist für mich das viel ästhetischere Medium. Der Unterschied zwischen CD und Vinyl ist ähnlich wie jener zwischen Öl- und Acrylfarbe. CD und Acryl mögen praktisch sein, aber sie vermitteln nicht die Sinnlichkeit, die mir in der Kunst wichtig ist. Eine Schallplatte transportiert mehr Musikalität. Auf CDs ist die Klangbreite bei 20.000 Hertz abgeschnitten, bei einer LP kann sie hingegen bis zu 35.000 Hertz betragen. Diesen Unterschied hören wir vielleicht nicht, aber wir fühlen ihn."

200.000 Antiquitäten im Regal

Für Christian Bierbaumer sind Schallplatten "Kleinantiquitäten". Er hat seine Liebhaberei zum Beruf gemacht und nach und nach Europas größtes und bestsortiertes Plattengeschäft aufgebaut. "Blue Danube Records & HiFi-Company" liegt versteckt in Tulln. Sage und schreibe 200.000 LPs lagern dort, und jeden Monat kommen an die 20.000 Stück dazu.

Der Sound, der sich gewaschen hat

"Der japanische IBM-Chef ist extra aus Japan angereist", erzählt Bierbaumer, "Opernsänger, Philharmoniker und Musikliebhaber jeder Provenienz kommen zu mir ins Geschäft." Damit die Freude am Klang ungetrübt bleibt, hat Bierbaumer auch eine eigene Plattenwaschmaschine konstruiert, die nach Expertenmeinung derzeit die beste am Markt ist.


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