API PVC- und Umweltberatung
Österreichs Branchenvertretung der PVC-Hersteller


Verführerischer Augenschmaus -
Japans hohe Schule des Kochens


Bier, das unaufhörlich zum Glasrand schäumt. Eiscreme, die nicht schmilzt. Knackige Salatblätter, die nie welken. Sushi mit ewig frischem Fisch, der aussieht, als käme er geradewegs vom Fischkutter.

Für japanische Restaurantbesitzer der ganz normale Alltag - Essen aus Plastik: Kunstvoll in Schaufenstern arrangiert, verlockt es Passanten zum Betreten des Lokals und hilft Gästen, die kein Japanisch sprechen, im Dschungel unbekannter Speisen das Passende zu finden.

Perfekte Doubles

Kurz nach dem zweiten Weltkrieg entstand in Japan der Brauch, mittels Speise-Doubles zu präsentieren, was die Küche so alles zu bieten hat. "Ursprünglich waren die Modelle aus gefärbtem Wachs. Das hielt aber der Hitze von Scheinwerfern nicht gut stand, es verfärbte sich und schmolz", erzählt Klaus Dona, Besitzer des Wiener In-Restaurants "Tenmaya". Man verwendete PVC statt Wachs für die Modelle, als es Japan wieder wirtschaftlich besser ging und Kunststoffe für die breitere Öffentlichkeit erschwinglich wurden. PVC bietet neben seiner Haltbarkeit auch den Vorteil, dass die nachgebildeten Speisen viel echter wirken. "Plastik-Sushi hat genau den Schimmer des frischen Fisches in natura", sagt Dona, der selbst ewig haltbares Sushi im Schaufenster hat. Seine Gäste reagieren darauf angeblich durchwegs positiv.

Von der Koch-Kunst zum Kunsthandwerk

In Japan kommt kaum mehr ein Restaurant ohne die Speisekopien aus. Die Nachfrage ist so groß dass ein eigener Berufszweig entstanden ist. Es sind meist Familienbetriebe, die sich der hohen Schule des Plastik-Kochens widmen. Das Know-how wird von Generation zu Generation weitergereicht. Dennoch dauert es Jahre, bis ein Mitarbeiter den Kunststoff so perfekt zu formen und einzufärben vermag, dass daraus täuschend echte "Appetithappen" entstehen. Maschinen sind verpönt, alles wird in Handarbeit hergestellt - von Frühlingszwiebelchen, die aussehen, als wären sie soeben kleingehackt worden, über Semmelbrösel und Reiskörner bis hin zu Fisch- und Fleischmenüs aller Art.

Wer glaubt, die kleinen Kunstwerke müssten lediglich nach Gefühl arrangiert werden, der rückt als ignoranter Ausländer ins Abseits. Ebenso wie die "echten" Köche müssen in Japan auch die Arrangeure ihre Ware entsprechend präsentieren. Wenn beispielsweise das Fischfest im Frühling gefeiert wird, dann müssen die kleinen Kopien so angeordnet werden, dass sie die Formen von Bäumen, Flüssen oder Blumen ergeben - genauso wie man das auch mit echten Fischfilets zu machen hat, wenn man als Japaner auf sich hält.

Für die meisten von uns ist es noch schwer vorstellbar, nach Begutachtung einer Plastiknachbildung Lust auf ein Schnitzel oder einen Rinderbraten zu bekommen. Doch wer sich einmal mit eigenen Augen davon überzeugt hat, wie echt sogar eine Portion Plastik-Spaghetti aus japanischer Meisterhand wirkt, dem wird klar, warum nicht mehr allein Kurzsichtige oder Japaner bei dem Anblick Appetit bekommen.


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