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Und läuft, und läuft, und läuft ...

Über kurz oder lang wird sich auch die (Umgangs-)Sprache den neuen Verhältnissen anpassen müssen: Alte Pkws und Wracks sind heute schon längst nicht mehr "schrottreif". Erstens, weil der typische Mittelklassewagen bereits zu rund 25 Prozent aus Kunststoff besteht. Zweitens, weil neben der Wiederaufbereitung einzelner Teile auch die Wiederverwertung rasante Fortschritte macht.

An die zwei Millionen Tonnen Kunststoffe (davon 260.000 Tonnen PVC) setzt die europäische Automobilindustrie laut einer Studie der Association of Plastics Manufacturers in Europe jährlich ein. Tendenz steigend. Das ökologisch wichtigste Argument: Ein Kilogramm Kunststoff kann zwei bis drei Kilogramm herkömmlicher Werkstoffe ersetzen. Volumenmässig sind Kunststoffe der wichtigste der zahlreichen in der Kfz-Produktion verwendeten Werkstoffe, sie stellen aber nur rund zehn Prozent des Fahrzeug-Gesamtgewichts dar. Durchschnittlich 125 Kilogramm Kunststoff - davon stolze 18 Kilogramm PVC - enthält ein moderner Mittelklassewagen.

Für jeden Zweck das richtige Material

Cockpit
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Ein "Einheitsmaterial", das alle Anwendungen abdecken könnte, gibt es beim Kunststoff ebensowenig wie bei Metallen oder anderen Werkstoffgruppen ñ die Vielfalt der Kunststoffe ermöglicht ja gerade die optimale Zweckerfüllung. PVC wird im wesentlichen im Unterbodenschutz, als Dichtungs- und Antidröhnmaterial, für Kabelummantelungen sowie für Bauteile im Fahrgastraum (Armaturenbretter) eingesetzt.

Nicht jedes Fahrzeug erlebt ein Dasein als vielgeliebter Oldtimer. Leider. Doch auch Wracks haben ihren Wert: Mehr als drei Viertel des Leergewichts eines Automobils können heute bereits wirtschaftlich wiederverwertet werden, heisst es in einer neuen Publikation der europäischen Autohersteller-Organisation ACEA. Darüber hinaus arbeiten alle an der Wertschöpfungskette Beteiligten - Rohstoffproduzenten, Zulieferer, Fahrzeughersteller, Recycler ñ systematisch nicht nur an der Optimierung bestehender Wiederverwertungsprozesse, sondern auch an Neuentwicklungen, die das Recycling der "Wracks von morgen" erleichtern.

Ausgediente Vehikel an Altauto-Verwerter

Kunststoffe
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Bis 2002 sollen die nicht verwertbaren Abfälle von derzeit 25 Prozent auf maximal 15 Prozent reduziert und bis 2015 auf fünf Prozent gesenkt werden, hat sich die deutsche "ARGE Altauto" zum - ambitionierten - Ziel gesetzt. Basis dafür: Die "freiwillige Selbstverpflichtung", der sich 16 deutsche Wirtschaftsverbände unterworfen haben. Für sie zeichnet in Deutschland die im April 1998 in Kraft getretene "Altauto-Verordnung" den Weg vor: Ausgediente Vehikel müssen einem anerkannten Altauto-Verwerter übergeben werden, der zunächst Betriebsflüssigkeiten entfernt, wiederverwertbare Aggregate ausbaut und alle stofflich verwertbaren (Kunststoff-) Teile demontiert. Der "Knackpunkt" bei der Demontage eines Fahrzeugs liegt in der Kleinteiligkeit: Ökonomisch sinnvoll ist nur der Ausbau grösserer Teile; der Zeitaufwand für die Trennung der unzähligen kleinen und kleinsten Fraktionen wäre unbezahlbar. Maximal 15 bis 20 Prozent der Gesamtkunststoffmenge können als werkstofflich verwertbares Material aus dem Kfz zurückgewonnen werden, rechnet der Verband der kunststofferzeugenden Industrie vor. Die restlichen Bestandteile werden geshreddert und bilden - nach Absonderung der Metallteile - die sogenannte "Shredderleichtfraktion".

Kfz-Materialien
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Ähnlich wie in Deutschland wird übrigens auch in Österreich bei der Altauto-Verwertung vorgegangen. Mit dem Unterschied, dass die Sammlung nicht auf einer Verordnung, sondern ausschliesslich auf freiwilliger Vereinbarung des Umwelt- und des Wirtschaftsministeriums sowie der Wirtschaftskammer Österreich basiert. Die kunststoffreiche Shredderleichtfraktion kann energetisch verwertet werden. So nutzt beispielsweise das bayerische Müllkraftwerk Würzburg die in den Altkunststoffen enthaltene Energie, wodurch die Verbrennung von "frischem" Erdöl gespart wird. Richtungsweisend für Deutschland - wenig überraschend für die Schweizer Nachbarn: Die Eidgenossen verfolgen im Zusammenhang mit Altautos bereits seit geraumer Zeit eine ökologisch und ökonomisch sinnvolle, konsequente Politik. Im Gegensatz zur EU sieht man keine Vorteile in einer vollständigen Rückmontage aller recyclingfähigen Stoffe aus ausgedienten Fahrzeugen. "Das wäre zu teuer. Wir wollen lieber die Shredderrückstände vernünftig behandeln", erklärt Beat Frey, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Schweizer Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft: "Wir hoffen, dass wir in zwei, drei Jahren eine eigene thermische Anlage für die Entsorgung der Shredderleichtfraktion bauen können." Als Übergangslösung werden jährlich rund 30.000 Tonnen Shredderrückstände dem Hausmüll beigemischt und in Kehrichtverbrennungsanlagen genutzt.

Aus Kabeln werden Böden

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Für die demontierten Kunststoffteile wurden und werden gezielte Verfahren der Wiederverwertung entwickelt: Obwohl etwa bei Altkabeln naturgemäss die Rückgewinnung des Kupfers im Mittelpunkt des Interesses steht, wird auch die PVC-Ummantelung wiederverarbeitet: meist zu hochbelastbaren Bodenbelägen, die sich selbst für den Einsatz im industriellen Bereich eignen. Seit einiger Zeit ist es technisch möglich, PVC aus alten (Auto-)Kabeln auch wieder zur Herstellung von (Auto-)Kabeln zu verwenden. Bis zu 50 Prozent Recyclat können diese Kabel enthalten. Im Rahmen des Umweltschutzprogrammes Life '95 fördert die EU-Kommission den Aufbau einer industriellen Produktionsanlage für Recyclingkabel: 1.500 Tonnen will die Wuppertaler DELPHI Automotive Systems GmbH hier jährlich verarbeiten.


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