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Bewährungsprobe Whitbread Race
"Harte Schale, weicher Kern" ist die Faustregel der Hochsee-Yachten
Agnelli, Kashoggi oder der Sultan von Brunai führten das Unerreichbare
vor Augen, und immer mehr Hobbysportler und Lebenskünstler
folgen (ihren Möglichkeiten entsprechend): Segeln ist in. Der
Segelsport erlebt einen noch nie dagewesenen Aufwind - die
Segler sind unter uns. Ob in der italienischen Adria, in der griechischen
Ägäis oder inmitten der Insellandschaft der Karibik, noch
nie war Segeln so beliebt wie heute. Egal ob auf den Binnenmeeren
in Österreich, Deutschland und der Schweiz oder in den klassischen
"Cruising"-Gebieten der Weltmeere finden sich die Vertreter
der Spezies "moderner Marco Polo". Echte Seebären?
"You haven't gone sailing until you have done the Whitbread."
Eindeutige Worte von einem Mann, der es wissen muss: Der zweifache
Olympiateilnehmer Kim Warthington aus den USA hat tausende Seemeilen
hinter sich gebracht - und eben dieses zitierte "Whitbread"
in diesem Jahr - mit seinen 11 Team-Kollegen der "EF Language"
- gewonnen. Und von Ferien-Idylle, krokodilgeschmückten
Markenpolos und dem Sanft-schaukelnd-in-der-Sonne-Liegen selbsternannter
Popeyes ist diese wohl härteste Regatta der Welt (See-)Meilen
entfernt. Gestartet wurde das "Whitbread race around the world",
das siebente seiner Art, im September 1997. Neun Monate, neun Wettfahrten
und rund 32.000 Seemeilen später stand, Ende Mai dieses Jahres,
der Sieger fest. Der Kurs führte die teilnehmenden Teams von
Southampton nach Südafrika, über Australien und Neuseeland
nach Südamerika, Nordamerika und zuletzt zurück nach La
Rochelle (Frankreich). Die Idee: Die Yachten und die Mannschaften
auf den schwierigsten, windigsten und schnellsten Routen der Weltmeere
auf die maximale Probe zu stellen. Bis zu 40 Tage dauert eine der
Etappen, Geschwindigkeiten von 20 oder gar 30 Knoten sind keine
Seltenheit - höchste Anforderungen also für Mensch
und Material, die bis an die Grenzen belastet werden.
"Vorbei sind die Zeiten, als die Teilnehmer des Abends bei
Cocktails auf den Yachten relaxen konnten", heisst es -
beinahe wehmütig - in dem offiziellen Rückblick auf
25 Jahre Whitbread-Geschichte (das Rennen findet nur alle vier Jahre
statt). "Schneller" heisst heute die Parole der Teams,
"leichter" die Devise für die Rennyachten. Gewicht
zu sparen heisst für die Mannschaften auch: ein Paar Schuhe
pro Mann oder Frau. Wer im Sturm Pech hat und einen Schuh über
Bord gehen lässt, der muss die Etappe eben barfuss zu Ende
bringen. Auch Schokolade und ähnlich "überflüssige"
Nahrungsmittel hat Skipper Paul Cayard rigoros von der Yacht verbannt.
Auch die Yachten müssen immer leichter werden - und dabei
immer höheren Beanspruchungen standhalten. Um Unfällen
vorzubeugen, haben die zum Whitbread zugelassenen Boote laut internationalem
Reglement einer besonderen Konstruktionsklasse anzugehören.
Sie können im Fall der Fälle auch Kollisionen mit Eisbergen
oder Walfischen standhalten.
Um das Sicherheitsrisiko zu minimieren und dennoch das Gewicht der
Boote so gering wie möglich zu halten, bedient man sich beim
Bau dieser Hochleistungs-"Torpedos" der sogenannten Sandwichbauweise.
Mit Hilfe eines Laminierverfahrens werden sämtliche Bauteile
des Bootes, die konstruktionsnotwendig sind, nach dieser Methode
hergestellt. Das Zentrum des "Sandwiches" - dort,
wo es sozusagen "um die Wurst geht" - bildet ein
PVC-Schaumstoffkern. Er fängt - obwohl selbst federleicht
- bei Kollisionen den grössten Teil der Aufprallenergie
ab, die Bootsstruktur bleibt erhalten, und Lecks können vermieden
werden. So hat auch die "EF Language" einige "erschütternde"
Begegnungen mit Fremdkörpern erfolgreich überstanden.
"Mast- und Schotbruch" ist ja nicht wörtlich zu nehmen...
Nicht nur die 20-Meter-Super-Segler des Hochleistungssports werden
nach der Sandwich-Methode gebaut, sondern auch Schiffe der Bauart
"Bodensee". So viel Freude auch der Ritt über das
Wasser bedeuten mag, die Sicherheit für die Besatzung muss
auf jeden Fall gewährleistet sein. Die im Siegerboot des härtesten
Yachtrennens der Welt getesteten geschlossenzelligen Schaumstoffe
des Schweizer Herstellers Alusuisse Airex AG finden in verschiedenen
"Sandwiches" Einsatz - die Bandbreite reicht von
Bus-Karosserien über Hochgeschwindigkeitszüge bis zu Surfbrettern.
Sicherheit bei geringem Gewicht mit der damit verbundenen Treibstoffeinsparung
- das "Sandwich" schmeckt.
Dann kann das Vergnügen beginnen, und die Segel werden gesetzt.
Sanft gleitet der glänzende Rumpf aus dem Hafen in die blaue
Unendlichkeit hinaus. Langsam füllen sich die Segel, und die
Geschwindigkeit steigt. Das Schlagen der Wellen wird zum kichernden
Glucksen, und die Freiheit rückt wieder ein Stück näher...
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