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Baumschule am Meeresgrund:
PVC hilft beim Wiederaufbau von Korallenriffen

Februar 2004.
Korallenriffe gelten neben den Regenwäldern als artenreichste Lebensräume der Erde. Tausende Pflanzen- und Tierarten vermuten Wissenschaftler, wenige davon wurden bisher erforscht. Doch diese Naturparadiese sind in Gefahr. Das plötzliche Sterben ganzer Riffe wurde zuerst in der Karibik beobachtet. Heute zieht sich dieses Phänomen um die ganze Welt. Die Gründe hierfür liegen in der zunehmenden Erwärmung der Meere, vor allem aber in den gravierenden Schäden, die durch Dynamitfischerei, viel zu große Fischnetze und Wassersportler verursacht werden. Künstliche Riffe sollen nun die zerstörten Unterwasserwelten neu beleben. Die Basis dieser "Neubausiedlungen" am Meeresgrund besteht in vielen Fällen aus PVC.

Jüngstes Beispiel dafür ist eine Baumschule der besonderen Art in der Region Sattahip in Thailand. Bruchstücke lebender Korallen werden in rechtwinkelig geformte PVC-Rohre gesteckt, die auf einem Gitter aus Stahl oder Hart-PVC angebracht sind. Danach wird das Gitter auf dem Meeresgrund verankert. Dort treiben die Korallenstecklinge aus, die Konstruktion lockt Mikroorganismen und Fische an. Innerhalb kurzer Zeit entsteht so wieder ein lebendes Riff, das Korallenbewohnern eine neue Heimat bietet. Neun Jahre lang haben Meeresbiologen des örtlichen Ratchapat Rumpaiphunee Instituts an der Entwicklung dieser Methode gearbeitet. Für eine Umsetzung in größerem Maßstab fehlte jedoch das Geld. Der thailändische PVC-Hersteller Vinythai, ein Unternehmen der Solvay-Gruppe, sponsert nun eine groß angelegte Wiederaufforstung der Korallenriffe: Mit der Unterstützung von Vinythai sollen innerhalb der nächsten zwei Jahre 10.000 Stecklinge von so genannten Geweihkorallen am Meeresboden ausgesetzt werden. Die Gebiete mit den ungewöhnlichen Baumschulen sind für die kommerzielle Fischerei langfristig gesperrt. Die Wissenschaftler erwarten, dass die Geweihkorallen pro Jahr um mindestens 10 Zentimeter wachsen. Es dürfte also nicht lange dauern, bis die thailändischen Korallengärten wieder in alter Pracht erblühen. Aus Sicht von Prof. Prasarn, dem wissenschaftlichen Leiter des Projekts, bewährt sich PVC als Trägermaterial für die Stecklinge, weil es langlebig, kostengünstig und äußerst widerstandsfähig ist. Es verrottet nicht im Wasser wie Holz, rostet nicht wie Eisen und zerbröselt nicht wie Beton.

Der US-Meeresbiologe Dave Lackland teilt diese Ansicht. Lackland betreibt in Florida eine Korallenzucht, um gefährdete Korallenarten vor dem Aussterben zu bewahren. Auch er verpflanzt Bruchstücke lebender Korallen in PVC-Gerüste, wo sie dann weiter wachsen. "Ich habe unterschiedliche Materialien ausprobiert", sagt Lackland, "mit PVC funktioniert es am besten."

Neuen Lebensraum für Meerestiere schaffen auch die Riffe der "Artificial Reef Company of America": Sie entwickelte bienenwabig geformte Bauteile aus rezykliertem PVC, mit denen künstliche Riffe errichtet werden können. Kurz nach dem Aufstellen dieser präparierten Gerüste siedeln sich darauf bereits Mikroorganismen an, die den Fischen als Nahrung dienen. Außerdem bietet die harte PVC-Konstruktion den Fischen Schutz vor Feinden. Floridas "Department of Natural Resources" hat die Errichtung eines derartigen PVC-Riffs in der Nähe von Fort Myers unterstützt, auch vor der Küste von Pensacola wurde ein PVC-Riff errichtet.

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