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Europäische Union bestätigt:
Die am häufigsten verwendeten Weichmacher sind absolut sicher
Mai 2006. Die EU hat vor wenigen Tagen die endgültigen Ergebnisse einer nahezu 10 Jahre dauernden wissenschaftlichen Überprüfung von zwei der häufigsten Weichmacher DINP und DIDP veröffentlicht: Diese werden als ungefährlich eingestuft, ihre Verwendung stellt keinerlei Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt dar. Demgemäß besteht auch keine Notwendigkeit für spezifische Anwendungsbeschränkungen. Angesichts dieser von den EU-Behörden nunmehr veröffentlichten Ergebnisse des strengen Risk Assessments können DINP und DIDP von den Verarbeitern bedenkenlos eingesetzt werden, betont David Cadogan, der Direktor der Hersteller-Vereinigung European Council for Plasticisers and Intermediates (ECPI).
Trotz dieser Erkenntnisse bleibt jedoch das vor kurzem beschlossene Verbot der Verwendung auch dieser Weichmacher in Spielzeug und Kleinkinder-Artikeln aufrecht. In Anbetracht der unklaren Bewertung einer DINP-Exposition durch Spielzeug- und Babyartikel gebietet es die Vorsicht, auf Gemeinschaftsebene angemessene Beschränkungen für die Verwendung von DINP in Spielzeug- und Babyartikeln ... zu erwägen. Entsprechende Maßnahmen sollten nach drei bis vier Jahren auf der Grundlage der neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse überprüft werden, heißt es in der Mitteilung der Kommission.
DINP und DIDP zählen zur Gruppe der Phthalate, den am häufigsten eingesetzten Weichmachern. Verwendung finden sie primär bei der Verarbeitung von Kunststoffen, vor allem PVC, zu Produkten wie Kabeln, Bauprodukten, Baufolien und Beschichtungen, Bodenbelägen, Kfz-Unterbodenschutz sowie medizinischen Geräten und Hilfsmitteln. Geschätzt 130 Millionen Euro hat die Industrie in die Erforschung der Gesundheits- und Umweltrisken der gängigen Kunststoff-Weichmacher investiert. Weltweit werden jährlich rund 6 Millionen Tonnen Weichmacher verbraucht. In Westeuropa werden rund 1 Million Tonnen produziert, 90 Prozent davon Phthalate.
Eine detaillierte Aufarbeitung und Bewertung der seit Jahren geführten Weichmacher-Diskussion hat jetzt der profilierte Wissenschaftsjournalist Edgar Gärtner (seit 2005 Leiter des Umweltforums des Centre for the New Europe, eines Think Tanks in Brüssel) in Buchform veröffentlicht: In Vorsorge oder Willkür?, erschienen im Deutschen Instituts-Verlag Köln, spannt er den Bogen über die Anfänge von Chemikalien-Verboten über die Entwicklung des Risikobewusstseins der Menschen bis zur Frage des Verhältnisses von derzeitigen Argumentationsmustern zu Innovation und Fortschritt.
Aufgrund bisheriger Erfahrungen sollte es sich von selbst verstehen, dass das Instrument der Stoffverbote für die Umweltpolitik nur als allerletztes Mittel in Frage kommen kann, um ernste Gesundheits- und Umweltschäden abzuwenden, schreibt Gärtner. Umso bedenklicher erscheint es, wenn die EU sich nun anschickt, allein aufgrund vager Vermutungen drei als Weichmacher von PVC-Kunststoff eingesetzte Phthalatsäureester DEHP, DBP und BBP in Spielsachen und Babyartikeln ganz zu verbieten und den Einsatz weiterer drei Weichmacher DIDP, DNOP und DINP in Spielzeug, das in den Mund genommen werden kann, zu untersagen. Gärtner sieht in diesem Vorgehen den ersten Versuch der EU, ein nicht wissenschaftlich, sondern allein politisch begründetes Stoffverbot durchzusetzen.
Edgar Gärtner Vorsorge oder Willkür? Kunststoff-Weichmacher im politischen Kreuzfeuer, Deutscher Instituts-Verlag, Köln 2006. Erhältlich im Buchhandel oder unter info@wedkom.de (Euro 28,- inkl. Versandkosten)
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