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Lässt sich Ökoeffizienz "berechnen"?
PVC-Hersteller arbeiten an Methoden zur Verknüpfung der Parameter: Ökologie, Ökonomie und Soziales
August 2004. Während der Grundgedanke der Nachhaltigkeit - die Verknüpfung von ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten eines Produktes oder Systems - allgemein anerkannt ist, stellt die konkrete Umsetzung Wissenschaft und Praxis vor die schwierige Bewertungs-Frage: Wie können die Parameter miteinander verglichen und in ein gemeinsames Schema gebracht werden? Vor allem die Abwägung zwischen den Kosten und der Umweltrelevanz beschäftigt die Beschaffer. Denn der traditionelle Zugang, unter "Ökonomie" lediglich die Beschaffungskosten, unter "Ökologie" lediglich die Herstellungsfaktoren (eventuell unter Einschluss der Entsorgung) zu betrachten, greift zu kurz.
Die internationalen PVC-Hersteller, die sich seit langem mit diesen Fragen beschäftigen, haben verschiedene formalisierierte Bewertungsverfahren entwickelt, die - ähnlich der Portfolio-Analyse im Finanzwesen - als strategisches Instrument bei Investitionsentscheidungen eingesetzt werden können.
Der "Öko-Kompass" des US-Chemiekonzerns Dow baut auf der klassischen Lebenszyklusanalyse (Ökobilanz) auf. Faktoren wie Energie- und Materialintensität aber auch Gesundheitsrisiko und Servicierungsfragen werden berücksichtigt. Durch eine bildhafte Darstellung in Form von konzentrischen Sechsecken werden diese Parameter zueinander ins Verhältnis gesetzt.
Auf diesem Verfahren baut die "Ökoeffizienz-Analyse" von BASF auf, ein Analyseinstrument zur Bewertung des Umwelteinflusses und Kundennutzens von Verfahren und Produktlinien. In diesem - unternehmensintern angewandten - zweistufigen Verfahren werden die gemäß Öko-Kompass ermittelten Daten in ein Koordinatensystem aufgetragen. Der Vergleich der Ökoeffizienz der jeweils untersuchten Produkt- bzw. Verfahrensvarianten wird dadurch erleichtert.
Noch weiter geht die "Optimierungsmethode" des PVC-Herstellers Vinnolit: durch Vergleichen der Anschaffungs- und Lebenswegkosten von Produkten, die den selben Zweck erfüllen, werden Kostenvorteile ermittelt. In der Folge wird die kostengünstigste Alternative "ökologisch optimiert" - d.h. Einsparungen gegenüber Alternativen werden in ökologische Verbesserungen investiert. Ein Beispiel: Bei der Ausstattung einer Serie von 21 Häusern mit Versorgungs- und Abflussrohren aus PVC statt Kupfer oder Steinzeug, sind Kosteneinsparungen von etwa 20 % oder 15.000 Euro zu erzielen. Damit könnte man 340 qm Hauswand zusätzlich isolieren. In 50 Jahren angenommener Nutzungsdauer ließen sich so an die 12 Gigajoule Primärenergie - und die mit deren Erzeugung verbundenen Umweltbelastungen - einsparen. Ein Kostenvorteil von etwa 20 Prozent führt in diesem Beispiel letzten Endes zu einem ökologischen Plus von 800 Prozent. Der Kostenvorteil wird somit in einen ökologischen Vorteil umgesetzt.
Zu ähnlichen Ergebnissen kam die vom Forum Ökoeffizienz, einer Initiative der österreichischen Kunststoffbranche, beauftragte Studie "Zur Nachhaltigkeit von Fußbodenbelägen" der GUA (Gesellschaft für umfassende Analysen). Am konkreten Beispiel wurde erstmals die Ökoeffizienz unterschiedlicher Bodenbelags-Varianten dargestellt. Diese Studie zeigt deutlich, dass die Nachhaltigkeitsbewertung primär durch die Nutzungsphase (z.B. Reinigungseigenschaften und -kosten, Lebensdauer, Reparatur etc.) beeinflusst wird. Unabhängig vom gewählten Material wird damit die Qualität des Produktes zum entscheidenden Kriterium. PVC-Produkte, die sich wegen ihres guten Preis-Leistungs-Verhältnisses durchsetzen, können durchaus ökoeffizienter sein als die vermeintlich "ökologischeren" Alternativen.
Eine Übersicht über die Bewertungsverfahren kann bei der österreichischen Branchenorganisation der PVC-Hersteller, der API, bezogen werden (office.at@plasticseurope.org, Telefon 01/712 72 77). Näheres auch unter www.agpu.com
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