API PVC- und Umweltberatung
Österreichs Branchenvertretung der PVC-Hersteller


Der richtige Umgang mit Ökobilanzen -
EU ließ erstmals die Anwendbarkeit von Ökobilanzierungen prüfen


Dezember 2006. Ökobilanzierungen gelten bei Produzenten, Waren-Beschaffern und Gesetzgebern als wesentliches Tool zur Entscheidungsfindung. Wie weit bestehende und öffentlich zugängliche Bilanzen anwendbar sind und worauf es bei der Analyse zu achten gilt, ist jedoch wenig bekannt. Aus diesem Grund beauftragte die Europäische Kommission das auf Methoden der ganzheitlichen Bilanzierung spezialisierte Consulting-Unternehmen PE Europe, einen Überblick über vorhandene Ökobilanzen zu ermitteln. Am Beispiel von PVC und Konkurrenzprodukten fasste die Studie sämtliche öffentlich zugänglichen Studien zusammen und lokalisierte Informationslücken. Das Ergebnis ist ernüchternd – ein Großteil der 100 untersuchten Bilanzen zu PVC ist als Entscheidungshilfe unbrauchbar.

Die Schwachpunkte der Bilanzen
70 Prozent der untersuchten Studien sind keine ganzheitlichen Ökobilanzen – vielmehr handelt es sich um Materialvergleiche, welche die Produktionsfaktoren eines Werkstoffes mit jenen eines anderen messen. Ökobilanzen hingegen analysieren und vergleichen Umweltauswirkungen von Anwendungen, Werkstoffen oder Systemen während ihres gesamten Lebenszyklus – von der Rohstoffgewinnung über die Verarbeitung und Anwendung bis zur Entsorgung.

Ein Großteil der untersuchten Bilanzen entspricht nicht der Normierung durch ISO 14040 ff. Diese Norm regelt den Aufbau und die Dokumentation der stark von Ziel- und Untersuchungsrahmen abhängigen Ökobilanzierungen und gewährleistet ausreichende Transparenz und verbesserte Lesbarkeit.

Viele Daten, die zur Erstellung der untersuchten Ökobilanzen verwendet wurden, waren nicht auf dem aktuellsten Stand. Eine Studie ist jedoch nur so gut wie die verwendeten Daten – aktuelle und spezifische Informationen über die Produktionsschritte und Importstruktur der „Zutaten von PVC“ sind daher unerlässlich. Sind doch die unterschiedlichen Stationen der PVC-Herstellkette wesentliche Faktoren bei der Erstellung einer Ökobilanz.

Eine individuelle, den Anforderungen einer Anwendung angepasste, Gewichtung sämtlicher Lebensphasen fehlt vollkommen. Die Einbeziehung und Wertung der Nutzungsphase ist bei Bilanzierungen von langlebigen Produkten wie Fenstern und Fußböden jedoch von hoher Bedeutung. PVC-Bodenbeläge punkten beispielsweise in der Nutzungsphase durch Einsparung von Reinigungsmitteln oder Chemikalien zur Pflege, während andere Werkstoffe etwas bessere Ökobilanzen in der Produktionsphase aufweisen. Welche der beiden Lebensphasen größeren Einfluss auf die Ökobilanz hat und welche Anwendung daher zu empfehlen ist, klärt nur eine sorgfältige Analyse der beabsichtigten Nutzung (Haushalt oder öffentlicher Raum) und Bewertung der relevanten Lebensphasen.

Resümee
„Materialsieger“ konnte die Studie keinen ermitteln – zu heterogen sind die Ergebnisse der einzelnen Bilanzen. Fest steht jedoch, dass nicht immer jener Werkstoff am umweltfreundlichsten ist, der während seiner Produktion am wenigsten Beeinträchtigungen der Umwelt verursacht. Wichtiger ist die Frage, welche Anwendung die gestellten Anforderungen am umweltfreundlichsten erfüllt. Das Potenzial von Ökobilanzen als Entscheidungshilfen ist unbestritten, unverzichtbar ist jedoch die Definition eines repräsentativen Lebenszyklus für jede einzelne Anwendung. Diese fehlt bis jetzt und es ist zweifelhaft, ob dieser definiert werden kann. In Bezug auf PVC findet die Querschnittstudie keinen Grund, das Material gegenüber Konkurrenzwerkstoffen auszugrenzen.

Unter http://ec.europa.eu/enterprise/chemicals/sustdev/pvc_en.htm steht die gesamte Studie (engl.) zum Download zur Verfügung. Die deutschsprachige Zusammenfassung der Studie können Sie per Email unter office.at@plasticseurope.org anfordern.


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