publikatioen












 

print
 
PVC-Recycling in Europa

Übersicht

Das Recycling von Polivinylchlorid (PVC) in Europa hat sich in den ersten zehn Jahren des 21. Jahrhunderts entscheidend weiterentwickelt. Während der Werkstoff vor dem Jahr 2000 aufgrund mangelnder Wiederverwertungssysteme von einigen Seiten als „nicht recyclingfähig” galt, existiert heute ein Netzwerk an Unternehmen, das jährlich mehr als eine Viertel Million Tonnen Post-Consumer-PVC verwertet. Zusätzlich ist die Menge der recycelbaren PVC-Anwendungen kontinuierlich gestiegen und wächst weiter – gewährleistet durch hohe Investitionen in die Forschung und neue Materialentwicklungen.

Auslöser dieser „Recycling-Revolution” ist Vinyl 2010 – eine freiwillige Selbstverpflichtung der europäischen PVC Industrie aus dem Jahr 2000 zu nachhaltigem Wirtschaften mit PVC. Vor allem im Bereich der Sammlung und Wiederverwertung von PVC setzte sich dieses Programm ambitionierte Ziele, die weit über den damals geltenden gesetzlichen Vorgaben lagen. Ziele, die die Branche über die gesamten 10 Jahre von Vinyl 2010 erreichen und zum Teil sogar übertreffen konnte. Das Ergebnis: eine neue Recycling-Landschaft in Europa.

PVC-Recycling vor dem Jahr 2000

Noch vor 15 Jahren bestand weitläufig die Annahme, PVC sei nicht recycelbar und müsse auf Deponien entsorgt werden. Lediglich eine Hand voll Recycling-Maßnahmen befasste sich in Europa mit PVC. Zur Jahrtausendwende sah sich die europäische PVC-Branche mit der Tatsache konfrontiert, dass eine Beibehaltung dieser Umstände unweigerlich zu nachteiligen gesetzlichen Maßnahmen und dem Abwandern der Kunden zu Alternativwerkstoffen führen würde.

Vinyl 2010, die Recycling-Verpflichtungen

Als Reaktion auf die drohende Gefahr initiierten Vertreter der kompletten Wertschöpfungskette von PVC – von den Produzenten des Rohmaterials bis zu den PVC-Verarbeitern – im Jahr 2000 das Programm Vinyl 2010, um die ökologischen Auswirkungen von PVC über seinen gesamten Lebensweg zu verbessern. Zentrales Element des freiwilligen Selbstverpflichtungsprogramms stellte eine Steigerung des Recyclings von Post-Consumer-PVC auf eine Quote von 200.000 Tonnen im Jahr 2010 dar[1].

Die Tatsache, dass 2000 in Europa so gut wie keine Infrastruktur zur Wiederverwertung von PVC auf breiter Basis existierte und enorme Investitionen in Forschung und Innovationen nötig sein würden, erforderte von Europas PVC-Branche die Entwicklung völlig neuer „end-of-life“ Dimensionen und Visionen. Damit einher ging eine Vielzahl an Herausforderungen, die die Sammel- und Recyclingraten von Vinyl 2010 in den ersten Jahren nur langsam ansteigen ließ. Einen Wendepunkt stellte im Jahr 2005 die Implementierung von Recovinyl zur Sammlung, Sortierung und Verteilung von vermischten Post-Consumer-PVC-Abfällen, hauptsächlich aus dem Baugewerbe, dar. Die Idee des Systems war es, Abfallwirtschaftsunternehmen zu gesteigertem Recycling von Abfall zu animieren. Mit Erfolg: Recvinyls Tätigkeiten schlugen in einer exponentiellen Steigerung der Recyclingquoten in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts zu Buche.
Heute ist Recovinyl ein Netzwerk aus 150 europäischen Unternehmen und hat maßgeblich dazu beigetragen, die hochgesteckten Ziele von Vinyl 2010 zu erreichen – trotz der globalen wirtschaftlichen Schwierigkeiten der letzten Jahre.

PVC Recycling heute

Dank Vinyl 2010 ist PVC heute als gut recycelbarer Werkstoff, dessen ökologische Auswirkungen über den gesamten Lebensweg verbessert wurden, anerkannt. Das über das Selbstverpflichtungsprogramm erfasste Post-Consumer-PVC umfasst PVC-Material aus allen Anwendungsbereichen und Sektoren, sobald es als Abfall zu betrachten ist. Davon ausgenommen sind Stoffe, für die bereits gesetzliche Regelungen – wie für Verpackungen, Anwendungen in der Automobilindustrie (ELV-Richtlinie) und der Elektronik (WEEE-Richtlinie) – bestehen.

Für das Recycling von PVC existieren im Wesentlichen zwei Wege:
  • Mechanisches Recycling: Das Alt-PVC wird in kleine Teile zermahlen, die als neues PVC-Compound zur Extrusion, Kalendrierung und im Spritzguss-Verfahren verwendet werden.
  • Rohstoffliches Recycling: Das Alt-PVC wird in seine chemischen Bestandteile zerlegt, die dann zur Herstellung von neuem PVC oder anderen Materialien eingesetzt werden.
Um die kommerzielle Rentabilität von rohstofflich recyceltem PVC zu steigern, hat die PVC Industrie in den letzten Jahren intensiv in dessen Realisierbarkeit investiert und die Kosten des Verfahrens gesenkt.

Um auch in Zukunft für eine breitere Palette an gebrauchten PVC-Anwendungen (Wieder-)Verwendung zu finden, stellte die Entwicklung neuer Recycling-Methoden eine der wichtigsten Zielsetzungen von Vinyl 2010 dar. Ein Resultat davon ist Vinyloop – eine auf Lösungsmitteln basierende, mechanische Recyclingmethode, mit deren Hilfe auch bisher schwer recycelbare Werkstoffverbunde wiederverwertet werden können.

PVC Recycling in Zahlen

  • Im Jahr 2010 wurden 260.842 Tonnen Post-Consumer-PVC recycelt und das wichtigste Ziel von Vinyl 2010 übertroffen
  • IPVC kann sieben mal recycelt werden
  • I50% des PVC-Bedarfs in Europa werden zu Fensterprofilen und Rohren verarbeitet. Mehr als die Hälfte davon wird heutzutage recycelt
  • IDie im Jahr 2009 recycelte Menge an PVC-Abfällen entspricht dem Gewicht von 4.500 Flugzeugen des Typs Airbus
  • IMit den allein im Jahr 2009 wiederverwerteten Fensterprofilen könnte man 450 Empire State Buildings ausstatten
  • IMit den im Jahr 2009 recycelten PVC-Rohren könnte man eine 20 Zentimeter dicke Röhre von Paris nach New York bauen
Ziele für die Zukunft

Aufbauend auf den Erfolgen von Vinyl 2010, hat die europäische PVC-Branche beschlossen, noch ambitioniertere Ziele als bisher zu verfolgen. Das neue freiwillige Selbstverpflichtungsprogramm – VinylPlus – wird von der europäischen PVC-Industrie im Juni 2011 vorgestellt. Ein wesentlicher Faktor für dessen Erfolg wird die bessere Etablierung von PVC-Rezyklat am Markt sein sowie die Zusammenarbeit des öffentlichen Sektors und der Wirtschaft bei den Bemühungen, die Deponierung von Abfällen weiter zurück zu drängen.

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte: PlasticsEurope Austria, DI Heinz G. Schratt, T: 01/712 72 77, h.schratt@plasticseurope.org


© API 2001 | Letzte Änderung: Seitenanfang