API PVC- und Umweltberatung
Österreichs Branchenvertretung der PVC-Hersteller


Experten appellieren an Landes- und Gemeindepolitiker:
Umdenken bei der "PVC-Vermeidung"


Einen dringenden Appell, ihre Beschlüsse zur "PVC-Vermeidung" zu überdenken, richten Experten aus Verwaltung, Wissenschaft und Praxis an die Landes- und Gemeindepolitiker: Es sei an der Zeit, eine vollständige ökologische Betrachtung aller Werkstoffe auf ihre Eignung in der konkreten Anwendung zuzulassen. Die vor Jahren aufgrund des damaligen Wissensstandes gefassten Beschlüsse einiger Länder und Gemeinden tragen dem Werkstoff PVC nicht Rechnung - und sie widersprechen dem Gedanken des ökologischen Wirtschaftens. Das Thema "PVC im Baubereich - Verzicht auf den Verzicht?" stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion am 22. November 1999 in Wien.

Öffentliche Beschaffung: Bitte keine "Gefälligkeits-Ökologie" mehr

DI Eberhard Griesinger von der Landesbaudirektion Salzburg betonte, die öffentliche Beschaffung müsse sich an politische Beschlüsse - wie jenen des Salzburger Landtages, der 1994 einen sukzessiven "Ausstieg" aus PVC beschlossen hatte - nach wie vor halten. "Ich persönlich bin nicht ganz sicher, ob wir damit unbedingt richtig liegen", zweifelt der Experte etwa hinsichtlich der "Vermeidung" von Kunststofffenstern. Griesinger bekannte sich dazu, im Baugeschehen ökologisch zu denken und zu agieren, stellte jedoch fest, dass die Hauptaufgabe der Bauexperten offenbar darin läge, "bremsend zu wirken, wo eine Gefälligkeits-Ökologie stattfinden soll - wo man also Ausgaben tätigt für Dinge, die gesamtheitlich nichts bringen." Griesinger will klare Vorgaben: "Wir sollten Prioritäten setzen und immer fragen: Was kostet es und was bewirkt es ökologisch?" Nur hinsichtlich PVC müsse eben ein Landtagsbeschluss umgesetzt werden. Abschließender Kommentar des ökologischen Experten der Baudirektion: "Wir haben den Schwarzen Peter."

Wirtschaftsministerium: PVC-Vermeidung brächte enorme ökonomische Nachteile

Auf Bundesebene würde - aus Sicht des Wirtschaftsministeriums - keine PVC-Vermeidung betrieben, stellte Ing. Heribert Ulrich (BMwA) fest. PVC sei - das hätten auch die wissenschaftlichen Gremien der EU eindeutig festgestellt - kein gefährlicher Stoff. Problembereiche bei PVC, die es gegeben habe, seien heute technisch und logistisch gelöst. "Es war nur eine Frage der Zeit, dies technisch in Griff zu bekommen", betonte Ulrich. "Ökobilanzstudien im Bereich der Bauprodukte haben ergeben, dass PVC gegenüber Mitbewerbern weder Vorteile noch Nachteile hat." Also gäbe es keinen "Ökosieger" auf diesem Gebiet, was die generelle "PVC-Vermeidung" als willkürliche und kontraproduktive Maßnahme erscheinen lasse. Im Baubereich, der die öffentliche Hand betrifft, wäre ein Ausstieg aus PVC ein ungeheurer wirtschaftlicher Nachteil: Allein bei Rohren würde dieser die öffentliche Hand mit rund 8,6 Milliarden Schilling belasten. Ulrich: "Wir hätten zwar enorme ökonomische Aufwendungen, aber für die Umwelt keinen Schritt vorangebracht." Daher sei die Frage, ob auf PVC verzichtet werden solle oder könne, für das Wirtschaftsministerium gelöst. Wenn ein einzelnes Produkt aus dem Markt genommen werde, hätte der Verbraucher eingeschränkte Entscheidungsmöglichkeiten: "Jeder soll selbst entscheiden können, welches Produkt er aus ökologischer, ökonomischer und technischer Sicht bevorzugt. Wir sehen keine Veranlassung, in diesen Markt einzugreifen", so Ulrich.

PVC als gefährlich zu bewerten, weil es Chlor enthalte, sei widersinnig: "Dann müsste auch Wasser als gefährlicher Stoff eingestuft werden, da sowohl Sauerstoff als auch Wasserstoff gefährliche Stoffe sind."

Branddirektor Perner: PVC ist ein "ökologisches Modewort"

Das viel diskutierte Brandverhalten von PVC rückte Dipl.-Ing. Dr. Friedrich Perner, Branddirektor der Feuerwehr Wien, ins rechte Licht: "PVC stellt für die Feuerwehr kein Problem dar." Es sei der Nachweis erbracht worden, dass bei Bränden jedes Material mehr oder minder unangenehme Eigenschaften entwickle. Die - so Perner - "Modeerscheinung", PVC zum Problemstoff zu erklären, beruhe nicht zuletzt darauf, dass das Wort PVC so einfach auszusprechen sei. Tatsächliche Problemstoffe hätten meist weniger griffige Bezeichnungen. "Die Zeit wäre sicher reif", forderte Perner, "einmal unpolitisch zu diskutieren, was PVC ist, welche Stoffe es noch gäbe und wie man das alles einordnen kann." Er meinte, PVC-Diskussionen seien oft von Beginn an politisch eingefärbt und wer zugäbe, nicht gegen PVC zu sein, laufe Gefahr, als Außenseiter gebrandmarkt zu werden. Ad-hoc-Behauptungen, ein Stoff sei im Brandfall günstiger als ein anderer, wage selbst er nicht aufzustellen, sagte Perner.

Uni-Dozent Windsperger: Keine Argumente für Verbote

Zum Thema "Umweltsieger oder nicht" meinte Univ.-Doz. Dr. Andreas Windsperger vom Institut für industrielle Ökologie, dass ökologische Aspekte von Stoffen ebenso gehandhabt werden sollten wie die ökonomischen und technischen Aspekte. Bei Betrachtung des generellen Materialflusses und der Ergebnisse von Ökobilanzen sehe man, dass PVC in der Mitte liege und diese Position auch festigen werde. Daher könne man Verbote oder Ähnliches kaum argumentieren. Man solle PVC - so wie allen Kunststoffen - die Möglichkeiten geben, technische und ökologische Verbesserungen nachzuweisen - und zu lukrieren. "Ich sehe das wie bei einer Punktebewertung: Das gibt es im Baubereich sehr oft, dass man für gute Eigenschaften einfach Gutpunkte bekommt und für negative Schlechtpunkte, und dass man hier beim PVC die Punkte genauso entsprechend neuerer Ökobilanzstudien vergibt", schlug Windsperger vor. Jeder Hersteller solle dazu angetrieben werden, sein Material kontinuierlich weiterzuentwickeln, und das ginge nur, wenn mehrere "im Rennen" blieben.

PVC-Hersteller: Ganzheitliche Betrachtung

Ökologische Qualität werde von Politikern sehr unterschiedlich gesehen, berichtete Dr. Manfred Engelmann, Forschungsleiter des PVC-Herstellers Vinnolit. Er stellte die Frage nach einer "einfachen, verständlichen" Darstellung ökologischer Qualität. Es gäbe etwa Ökobilanzen über Fenster von unterschiedlichen, namhaften Organisationen, und auch das bekannt kritische deutsche Umweltbundesamt habe nichts gegen Fensterrahmen aus PVC einzuwenden. Dennoch würden die Ergebnisse dieser Studien von den Entscheidungsträgern nicht berücksichtigt werden. "Und dann kostet ein Holzfenster, das im Regelfall als Alternative zu PVC eingesetzt wird, inklusive Wartung ziemlich genau das Doppelte eines PVC-Fensters." Engelmann betonte, dass es der PVC-Industrie nicht darum ginge, "weniger Umweltschutz" zu betreiben. Doch manche Formen des heutigen Umweltschutzgedankens müssten neu überdacht werden, und dazu gehöre eben auch der Kostenaspekt. "Nur eine ganzheitliche Betrachtung dieser Themen führt uns weiter. Man muß wegkommen von Einzelbetrachtungen, die anscheinend die Basis politischer Entscheidungen gewesen sind."

Und nun?

"Ich persönlich habe diese große Aufregung um PVC nie verstanden", so Diskussionsleiter Josef Broukal. "Alles muss sachlich diskutiert werden." Doch Umweltpolitik konzentriere sich offenbar auf wenige Themen, und dann werde nicht mehr "locker gelassen".

"Wir sind mehr als bereit, die ökologischen Fragen von PVC zu diskutieren und auch im Einzelfall zu prüfen, ob PVC die beste oder zumindest eine gleichwertige Lösung darstellt. Wir erwarten aber auch, dass man uns dazu die Gelegenheit gibt und zugunsten einer seriösen Prüfung auf den PVC-Verzicht verzichtet", erklärte Ing. Franz Schmalwieser, Geschäftsführer der PVC-Herstellerorganisation API PVC- und Umweltberatung, die zur Podiumsdiskussion eingeladen hatte.

Eine Darstellung der aktuellen Diskussion zum Thema kann bei der API kostenlos bezogen werden (1030 Wien, Untere Viaduktgasse 53/5a, Telefon 01/712 72 77, Fax 01/712 72 76, E-mail: office.at@plasticseurope.org).


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